Besser fotografieren mit räumlicher Tiefenwirkung

Beim Fotografieren bilden wir mit unserer Kamera einen dreidimensionalen Raum (die Realität) auf einer zweidimensionalen Ebene (unserem Foto) ab. Dadurch entsteht oft ein Problem mit der Tiefenwirkung. Du siehst und bewegst dich zwar in einer grandiosen weiten Landschaft. Diese sieht aber abgebildet auf deinem Foto flach und langweilig aus. Die Dreidimensionalität des Raumes geht rasch einmal verloren. In diesem Blog Artikel erklären wir dir die wichtigsten Regeln wie du gekonnt räumliche Tiefenwirkung auf Bild bannen kannst. Und das Beste daran: Diese Tipps und Tricks zum Bildaufbau kannst du mit deiner Kamera und auch mit deiner Handy-Kamera umsetzen.

Mit einem ausgefuchsten Fotografen-Spruch zu mehr Tiefenwirkung

„Vordergrund macht Bild gesund. Mittelgrund tut Absicht kund. Hintergrund nicht kunterbunt.“ Aber was genau ist mit diesem Spruch gemeint?

Die räumliche Darstellung auf deinem Foto ist ein wesentlicher Bestandteil der Bildgestaltung. Brennweiten im Weitwinkel-Bereich bringen viel Raum auf dein Foto. Der eindrucksvolle weite Raum verläuft sich in Weitwinkel-Szenerien jedoch auf deinem Foto und wirkt flach. Also schaffst du mit drei Ebenen, dem Vordergrund, dem Mittelgrund und dem Hintergrund, eine Bühne. In ihr kannst du deine Motive inszenieren.

Vordergrund macht Bild gesund

Der erste Teil des Spruches ist sicherlich der bekannteste. Besonders beliebt ist er in der Landschaftsfotografie bei weitläufigen Übersichts-Fotos. Mit einem Vordergrund gestaltest du deine Landschaftsbilder noch spannender. Du verleihst deinen Fotos eine weitere Ebene und somit noch mehr Tiefe. Außerdem führst du den Blick des Betrachters gekonnt in dein Bild und deine visuelle Geschichte hinein.

Als Vordergrund kannst du vielfältige Objekte verwenden. Angefangen von Bäumen, mit denen du dein Foto einrahmst. Über Schatten oder Linien, die in dein Foto hineinführen. Bis hin zu Details an Wänden, die du nah vor dein Weitwinkelobjektiv hältst, um dadurch eine unscharfe Farbebene zu erzeugen. Auch bei Fotostreifzügen in der Stadt kannst du einen Vordergrund ausgefuchst dazu nutzen, Touristen dahinter zu verstecken.

Der Theseustempel im Wiener Volksgarten mit üppig blühenden Rosensträuchern im Vordergrund.
Mit den üppig blühenden Rosensträuchern als Vordergrund kannst du bei unserem Fotokurs Wien mal anders die Touristen verschwinden lassen 😉

Mittelgrund tut Absicht kund

Setze dein Hauptmotiv wie bei einem Bühnenbild passend auf deiner mittleren Ebene in Szene. Spiele dich zuerst mit einem Vordergrund und erzähle die Geschichte deines Fotos auf der Hauptebene in der Mitte. Der Blick deines Betrachter bleibt bestenfalls auf dieser Ebene und erfasst das Wichtigste in deinem Foto.

Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund ergeben eine Bühne, auf denen du deine Motive inszenieren kannst.
Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund ergeben eine Bühne, auf denen du deine Motive inszenieren kannst.

Hintergrund nicht kunterbunt

Achte darauf, dass sich dein Hauptmotiv gut vom Hintergrund abhebt. Besonders lenken unruhige und bunte Hintergründe von deinem Hauptmotiv ab. Um unruhigen Hintergründen entgegenzuwirken, öffne die Blende so weit wie möglich. Dadurch erhältst du einen weichen, unscharfen Hintergrund. Mit einer offenen Blende und der daraus resultierenden kleinen Schärfe-Ebene löst du dein Hauptmotiv im Mittelgrund damit noch besser von deinem Hintergrund ab.

Ein unscharfer Hintergrund bei Portraits lenkt nicht von deinem Hauptmotiv ab.
Auch bei tierischen Selfies gilt: Eine offene Blende und ein möglichst ruhiger, nicht ablenkender Hintergrund verhilft dir zu besseren Bildergebnissen.

Rahme dein Hauptmotiv für mehr Tiefe ein

Mit einer Silhouette als Rahmen verdichtest du die Tiefe deines Vordergrundes durch gezielte Unterbelichtung gekonnt zu einer Ebene. Dadurch kann dein Hauptmotiv noch besser wirken. Durch den dunklen Rahmen entsteht eine Bühnen-Dynamik, die den Betrachter an eine Theaterbühne erinnert.

Mit Silhouetten als Rahmen ensteht der Eindruck einer Theaterbühne.
Schaffe mit einer Silhouette als Vordergrund eine Bühne, in der dein Hauptmotiv wirken kann.

Erziele Tiefenwirkung mit dem “Tunnelblick”

Ähnlich wie der Trick der Bühnen-Dynamik bei Silhouetten, funktioniert der sogenannte ‚Tunnelblick‘. Wenn du aus einem dunklen Vordergrund heraus fotografierst, kannst du zusätzlich mit Linien in deinem Foto arbeiten. Wenn du diese Linien in Richtung deines Hauptmotives flüchten lässt, lenkst du die Blickrichtung automatisch an den Linien entlang.

Aus dem Dunklen heraus fotografieren. Tiefenwirkung mit dem Tunnelblick.
Sei kreativ bei der Wahl deines Vordergrundes und nutze den Effekt des Tunnelblicks.

Nutze den Dunst in der Atmosphäre für Ebenen

Mit zunehmender Entfernung verstärkt sich Dunst. Dadurch verschwinden auf deinen Bergmotiven weiter entfernte Bergketten langsam aus deinem Sichtfeld. Sie werden diffuser auf deinen Fotos abgebildet. Diesen Effekt kannst du bei Landschaftsfotos mit dem Tele-Objektiv besonders ausgefuchst in Szene setzen. Denn die Bergketten werden durch den Dunst als einzelne Ebenen dargestellt. Trotz der vereinfachenden Wirkung des Tele-Objektivs entsteht eine schöne Tiefe in deinem Bild.

Tiefenwirkung mit Dunst erreichen
Mit Dunst in der Atmosphäre lassen sich Berge in Ebenen trennen.

Verwende Gegenlicht für eine Tiefenwirkung

Mit Gegenlicht oder Seitenlicht erzeugst du eine Art Heiligenschein. Besonders gut funktioniert dieser Effekt bei Haaren. Vor einem dunklen Hintergrund heben sich Personen dadurch noch besser ab. Natürlich eignet sich auch das Fell von Tieren und prinzipiell Dinge, die lichtdurchlässig sind. Auch die Natur bietet dir einen wunderbaren fotografischen Spielplatz, um die Effekte des Gegenlichts auf Fotos zu bannen.

Helle Weintrauben strahlen im Gegenlicht und heben sich dadurch vom Hintergrund ab.
Bei unserem Fotokurs Wein, Natur und Genuss lernst du das Fotografieren im Gegenlicht.

Spiele mit Linien in der Perspektive

Verlaufen Linien perspektivisch durch dein Bild, lenkst du den Blick des Betrachters automatisch an diesen entlang. Du führst den Betrachter von vorne bis hinten durch dein Foto. Denn durch gelernte Erfahrungen weiß unser Gehirn, dass Linien, die auf einen Fluchtpunkt zulaufen eine Entfernung, also Tiefe im Raum, repräsentieren. Diese Erfahrung kannst du dir besonders bei Architekturfotos zu Nutze machen.

Architekturfoto mit Fluchtpunkt für Tiefenwirkung
In der Architekturfotografie kannst du besonders ausgefuchst mit Linien und Tiefenwirkung spielen.

Setze Texturen für Tiefenwirkung ein

Strukturen und Texturen eignen sich ebenfalls für einen besonders verspielten Einsatz in der Fotografie. Denn auch hier hat unser Gehirn gelernt, dass in der Tiefe des Raumes Muster ihre Größe und ihren Abstand zueinander verringern. Nutze diesen Tiefen-Effekt auf deinen Fotos zum Beispiel bei Wände oder Säulen. Besonders eignen sich dafür reichlich verzierte Wände in geschichtsträchtigen Gebäuden. Bei unserer Fotoreise durch Persien zum Beispiel hast du ausgiebig Zeit, diese ausgefuchste Gestaltungsmöglichkeit zu testen.

Mach dir den räumlichen Verlauf von Mustern an Wänden für eine ausgefuchste Tiefenwirkung zu Nutze.
Mach dir den räumlichen Verlauf von Mustern an Wänden für eine ausgefuchste Tiefenwirkung zu Nutze.

Arbeite mit selektiver Tiefenschärfe

Besonders bei Tele-Objektiven kannst du für Tiefenwirkung den Trick der Tiefenschärfe einsetzen. Öffne deine Blende und trenne dein Hauptmotiv somit vom Hintergrund ab. Denke ebenfalls beim Fotografieren mit selektiver Tiefenschärfe an den anfangs erwähnten Fotografen Spruch. Vordergrund macht Bild gesund. Mittelgrund tut Absicht kund. Hintergrund nicht kunterbunt. Platziere daher bei langen Brennweiten dein Hauptmotiv in den Mittelgrund und lass den Vordergrund ruhig unscharf sein.

Arbeite mit selektiver Unschärfe bei Portraits mit Tele-Objektiven.
Für mehr Tiefenwirkung darf der Vordergrund auch unscharf sein.

 

Spiele dich beim nächsten Fotostreifzug mit den verschieden Möglichkeiten, Tiefe in deinen Fotos zu erzeugen. Uns interessiert brennend, ob und welche Erfahrungen du bereits mit diesen Möglichkeiten gemacht hast. Welche „Regel“ gefällt dir am besten? Schreib uns hier in den Kommentaren dazu.

Viel Spaß beim Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten. Wenn du noch mehr üben oder mehr Tipps & Tricks von Profis lernen möchtest, erbeute dir einen Platz bei einen unserer ausgefuchsten Fotoreisen & Fotokursen.

Deine Fotofüchse Katharina, Tirza & Finn


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